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Die Geschichte, die wir jetzt erzählen, geschah schon vor über hundert Jahren unweit von Beuthen. Dort wächst ein Wald - an einigen Stellen ganz dicht und weit. Heute fürchtet sich niemand mehr, seinen Fuß in ihn zu setzen, aber es ist noch gar nicht allzu lange her, da bedeutete dies eine große Gefahr. Dort nämlich befand sich eines der Verstecke des im ganzen Schlesien bekannten Räuber Pistulka. Die Leute erzählten Wunder über seinen Mut und seine Gewitztheit, denn er war kein geringer Räuber. Nicht selten kehrte ein Reisender ohne einen Groschen bei sich wieder heim, nachdem er ihm irgendwo abseits begegnet war, und die mit Gold gefüllten Geldbeutel landeten in der Schatzkammer des Räubers, die tief im Wald versteckt war. |  | |
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Besonders Reiche hatten Glück zu solchen Abenteuern, diejenigen, die Gold wie Heu hatten, aber denen es schwer, sogar sehr schwer fiel, zu teilen. Besonders sie hegten Rache gegen Pistulka. Einmal war es ihnen sogar gelungen, den Räuber zu fangen und ins Gefängnis zu werfen, doch schon nach zwei Tagen war er nicht mehr da. Wie das geschehen war? Das weiß niemand so genau. Manche erzählten, sie hätten beobachtet, wie ein kleiner Vogel ihm in seinem Schnabel räuberisches Gras gebracht haben soll, das so scharf war, dass es sogar die härtesten Stäbe durchbohren konnte. Es ist schwer zu sagen, ob dies die Wahrheit war oder nur gewöhnliches Geplapper der Leute. Hauptsache, Pistulka war wieder frei, durchstreifte ganz Schlesien und raubte, soviel es nur ging. Aber, aber... Es wird an der Zeit, zu unserem Wald bei Beuthen zurückzukehren - dorthin, wo unsere Geschichte angefangen hatte. Als sich die Nachricht verbreitet hatte, dass der bekannte Räuber wieder in der Gegend grassierte, leerten sich plötzlich die Waldwege. Kaum einer wagte es, einen Fuß hineinzusetzen, denn alle hatten vor dem Räuber Angst. Doch da geschah ein Unglück. Die Tochter der Witwe Miller, die kleine Ula, die in einer Hütte am Waldrand wohnte, war plötzlich erkrank. Das Mädchen lag im Fieber und es schien, dass es sehr litt. Was sollte man machen? Die Mutter wickelte, ohne viel nachzudenken, das Kind warm ein, schloss die Hütte ab und machte sich mit der Kleine auf den Armen auf den Weg durch den Wald. Hauptsache, sie würde schnell zum Haus des Doktors gelangen! Sie kam nicht weit, als plötzlich aus den Bäumen eine dunkle Gestalt hervortrat. Ein unbekannter Mann verstellte ihr Weg. Die Witwe war zunächst sehr erschrocken und wollte ihn so schnell wie möglich umgehen, doch sie bemerkte unter dem dichten, schwarzen Bart ein Lächeln und seine schwarzen Augen betrachteten sie wohlgesonnen. | |
- Wovor habt ihr solche Angst, gute Frau? - fragte der Man. - Ich muss so schnell wie möglich mit meiner Tochter zum Doktor, und der Weg, ihr wisst, ist dunkel und gefährlich. Der Pistulka soll hier irgendwo sitzen, der, die Leute überfällt und beraubt. - Vor Pistulka habt ihr angst? Hmm... Ich helfe euch, durch den Wald zu kommen und falls nötig, beschütze ich euch vor dem Räuber - sprach er, geheimnisvoll lächelnd. Der Unbekannte nahm die kleine Ula auf die Arme und sie gingen los. Als der Wald endete und weitere Weg sich zwischen Feldern und Häusern schlang, blieb der Man stehen. - Ich warte hier und helfe euch auf dem Rückweg. |  | |
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Als sie zurückgingen, erzählte ihm die Witwe davon, wie ihr Mann gestorben sei - ein Schmied, und sie mit der kleinen Ula allein geblieben war. Sie hätten es schwer, und die Armut sei an allen Ecken und Enden spürbar. Und zu allem Übel erkrankte auch noch das Mädchen. - Ich werde wieder durch den Wald gehen müssen, um neue Arzneien zu holen. Dass ich bloß nicht auf diesen Pistulka treffe - beendete sie ihre Erzählung, denn sie näherten sich schon der Hütte. Der Mann lächelte wieder, als er dies hörte. Dann griff er in seine Tasche und entnahm ihr eine Handvoll goldener Taler. - Für euch, Witwe damit Ula schnell wieder gesund wird und alles hat, was nötig ist. Ein Geschenk des Räubers Pistulka. Und sagt den Leuten, sie sollen keine Angst haben, in den Wald zu gehen. Pistulka schadet keinen armen Menschen, er leert nur die Geldbeutel der Reichen. Bleibt gesund! Das sagend verschwand er zwischen den Bäumen. Stellt euch das Erstaunen der Witwe vor, als sich herausstellte, wer ihr geheimnisvoller Begleiter gewesen war. Sie erzählte alles den Nachbarn. Zuerst wollte ihr niemand Glauben schenken, doch die goldenen Taler waren Beweis genug für dieses ungewöhnliche Ereignis. Viele Menschen durchwanderten daraufhin die Wälder, Ausschau haltend, ob der Räuber nicht irgendwo erscheint. Doch es ist noch niemandem gelungen, Pistulka zu treffen. | |
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